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...Ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so “Natur” nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.
— Hermann Hesse
Photograph by Gret Widmann (†1931) [Public domain], via Wikimedia Commons Quelle : https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c1/Hermann_Hesse_1927_Photo_Gret_Widmann.jpg

Photograph by Gret Widmann (†1931) [Public domain], via Wikimedia Commons

Quelle : https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c1/Hermann_Hesse_1927_Photo_Gret_Widmann.jpg

Hermann Hesse gehört seit Jahrzehnten zu meinen persönlichen Lieblingsschriftstellern. Am nachhaltigsten beeindruckte mich das Werk "Der Steppenwolf". Mit dem Lebensgefühl der dort portraitierten Figur des "Harry Haller", insbesondere mit dessen Ekel vor der "Krankheit der Zeit", kann ich mich fortgesetzt identifizieren.

Thomas Mann - Gedanken zum Volkstrauertag

Möge kein neuer Wahnsinn die Völker befallen oder ihnen von blinden Egoisten aufgedrängt werden. Möge der Friede - der aller Welt lebensnotwendige Friede - wir können nicht sagen erhalten bleiben, denn noch ist keiner - aber möge er gewonnen und geformt werden.
— Thomas Mann
Bild: Thomas Mann im Hotel Adlon in Berlin 1929 vor der Weiterreise nach Stockholm zur Entgegennahme des Nobelpreises. Quelle: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license. Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0

Bild: Thomas Mann im Hotel Adlon in Berlin 1929 vor der Weiterreise nach Stockholm zur Entgegennahme des Nobelpreises.

Quelle: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.

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Diese Worte sprach der große Schriftsteller am 19. Juni 1947.  Aufgenommen vom Schweizer Radio DRS aus Anlass seiner ersten Europa-Reise nach dem Krieg.

Könnte Thomas Mann nun 62 Jahre nach seinem Tode sehen, wie herrlich weit es der Mensch in seinem Wahn gebracht hat, wie würde sein Kommentar ausfallen ?

So möchte ich heute auch zur Beschäftigung mit seinem Werk anregen und die vorzüglichen Sammlungen seiner Essays und Reden empfehlen.

Stéphane Hessel - Empört Euch !

Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch, einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar.
— Stéphane Hessel

Die größte Freude des Menschen scheint es zu sein, andere für eigene wie auch immer geartete Motive auszunutzen und zu beherrschen. Woher kommt nur diese grenzenlose Lust an Dominanz und Unterdrückung? In nahezu allen Bevölkerungsschichten und Lebensbereichen ist solches zu beobachten.

Beginnen kann dies sogar schon im Familien- und “Freundes”kreis, wenn sich einer über den anderen stellt, wenn Rollen zugewiesen werden und “Macht" ausgeübt wird. Im Arbeitsleben scheint ebenso jedes Mittel zur Erpressung der Angestellten oder Übervorteilung des Konkurrenten für eigene Interessen recht und billig. Im Beziehungsgeflecht zwischen Bürger und Staat, zwischen Staaten und Völkern reicht das Spektrum von Manipulation und Lügen bis hin zur Rechtsbeugung und gnadenloser Gewalt.

Stéphane Hessel (1917-2013)  hat nun am eigenen Leibe erleben müssen, wozu der Mensch fähig ist. Der gebürtige Berliner wurde 1939 französischer Staatsbürger, trat in die Résistance ein und überlebte das KZ Buchenwald. 1948 wirkte er an der “Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte” mit. 

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
— Artikel 1, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Vereinte Nationen

In den nachfolgenden Jahrzehnten setzte er sich u.a. als Diplomat leidenschaftlich für Demokratie und Menschenrechte ein. 2010 verfasste er die Schrift “Empört Euch!” Er beobachtet, wie mühsam erkämpfte Rechte wieder ausgehöhlt werden. So sagte er erst 2011 treffend in einem Spiegel-Interview 

"Die Prinzipien der Ethik lassen sich nicht neu erfinden. Im Kern bleiben sie unverrückbar: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Die Unantastbarkeit der Menschenwürde und der Menschenrechte. Wenn diese Werte unter die Räder kommen, etwa durch die Macht des Geldes, den hemmungslosen Konkurrenzkampf, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Ausbeutung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Unterdrückung des Selbstbestimmungsrechts, die Macht des Stärkeren, dann müssen wir uns heute dagegen stemmen, so wie wir uns seinerzeit gegen die Kräfte der Zerstörung gestemmt haben." - Stéphane Hessel

So stimmen wir seinem Vermächtnis zu: nicht schweigen, wegducken und Unrecht hinnehmen - sondern "Widerstand ist Schöpfung"!

Über Sprache und Worte. Ein Aufsatz von Arthur Schopenhauer.

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Bereits etwa in der Mitte des 19.Jahrhunderts schrieb “mein” Philosoph Arthur Schopenhauer einen Aufsatz über “Sprache und Worte”. Hier entwickelte er das Gleichnis, dass das Leben der Sprache dem einer Pflanze gleiche, die aus einem einfachen Keim hervorgegangen sich zur Blüte entwickle, und dann wieder altern und verfallen würde. Ein Bild, dem ich uneingeschränkt zustimmen möchte,  denn Parallel zu Verrohung der Sprache scheint nach meiner Wahrnehmung der Verfall von Umgangsformen und Sitten voranzuschreiten, und zwar auf allen Gesellschaftsebenen.

Das Erlernen von Sprachen sieht der Autor als “tief eingreifendes, geistiges Bildungsmittel”. Schnell wird man entdecken, dass sich bei weitem nicht für jedes Wort das genaue Aequivalent in der anderen Sprache findet, ja dass es sogar Begriffe ohne Entsprechung in der anderen Sprache gibt.

Besonders Gedichte könne man nicht “umdichten”, selbst die allerbeste Übersetzung verhalte sich zum Originale wie die Transposition eines Musikstückes in eine andere Tonart.

So sei das Erlernen der lateinischen Sprache eine vorzügliche Schule des Geistes. Man erwerbe zunächst grundlegendes Verständnis, wie Sprache hinsichtlich ihres Aufbaus in Grammatik und Flexion funktioniert. Beim Übersetzten jedoch müsse man den “wiederzugebenden Gedanken ganz umschmelzen und umgießen, wobei er in seine letzten Bestandteile zerlegt und wieder rekomponiert wird". Neue Sphären von Begriffen müssen im Geiste entstehen, jene erfühlt und in diesen gedacht werden, bevor man ein passendes Wort in der  Muttersprache findet: erst dann habe man "den Geist der zu erlernenden Sprache gefasst und einen großen Schritt zur Kenntnis der sie sprechenden Nation getan.”

Wenn ein Mensch nun stets gangbare Phrasen und abgenutzte Wendungen benutze und selbst diese ungeschickt zusammenstelle, sei dies nicht mehr als bloßes Papageiengeplapper.

Schopenhauer empfiehlt nun auch hier, sich besonders dem Studium alter Sprachen zuzuwenden:

Die Nachbildung des Stiles der alten Sprachen (wie Latein und griechisch) sei nun das allerbeste Mittel, um den "gewandten und vollkommenen Ausdrucke seiner Gedanken in der Muttersprache vorzubereiten." So wie der angehende Maler und Bildhauer seine Fertigkeiten durch Nachahmung der Muster des Altertums heranzubilden sucht ehe er eigenes erschafft, so lerne man “die Diktion als ein Kunstwerk mit größter Sorgfralt und Behutsamkeit zu behandeln." Demnach richte sich eine geschärfte Aufmerksamkeit auf die Bedeutung und den Wert der Worte, man lerne, Respekt zu haben vor der Sprache und die Handhabung des Materiales welches geeignet ist, dem Ausdruck und der Erhaltung wertvoller Gedanken zu dienen.

Dem eingangs erwähnten Beispiel zur Folge kann ich mich in unseren Tagen des Eindruckes nicht erwehren, dass wir uns so langsam wahrhaft auf das Endstadium der deutschen Sprache zubewegen -  von einigen positiven Ausnahmen einmal abgesehen.

Mit einer dahingehenden positiven Zukunftsvision tue ich mir persönlich etwas schwer, und möchte einmal mehr Arthur Schopenhauer das Schlusswort überlassen: 

"Im allgemeinen haben die Weisen aller Zeiten immer dasselbe gesagt, und die Toren, d.h. die unermessliche Majorität aller Zeiten, haben immer dasselbe, nämlich das Gegenteil, getan: und so wird es denn auch ferner bleiben."

Quelle: Arthur Schopenhauer, Aufsatz “Über Sprache und Worte” aus “Parerga und Parelipomena"

 

...Ein Erzteufel, in der Gestalt eines Eroberers auftretend, stellt einige hunderttausend Menschen gegenüber und ruft ihnen zu: Leiden und Sterben ist euere Bestimmung: jetzt schießt mit Flinten und Kanonen aufeinander los! - und sie tun es.
— Arthur Schopenhauer, Preisschrift über die Grundlage der Moral
Arthur Schopenhauer um 1855

Arthur Schopenhauer um 1855

Diese prägnante Analyse der menschlichen Natur aus dem Jahre 1839 verhallte bereits vor den Weltkriegen im nachfolgenden Jahrhundert ungehört.