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Schwellen

Oft bezeichnet man bestimmte der Zeit unterworfenen Wegmarkierungen im menschlichen Leben als Schwellen. Die Schwelle zu einem neuen Jahr, einem Jahrzehnt, einem Lebensalter dient dann als Möglichkeit der Rückschau und Besinnung, und die einzig Gemütsruhe schaffende Frage an die Vergangenheit sei nun, was diese mich lehren könne.

Arthur Schopenhauer vergleicht unseren Lebensgang mit dem Weg eines Wanderers, “vor welchem, indem er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten annehmen, als die sie von Ferne zeigten.” Auch erginge dies uns mit unseren Wünschen so:

Zumal wird uns oft da, wo wir Genuß, Glück, Freude suchten, statt ihrer Belehrung, Einsicht, Erkenntnis - ein bleibendes wahrhaftes Gut, statt eines vergänglichen und scheinbaren.
— Arthur Schopenhauer
Arthur Schopenhauer um 1855, Foto: Jules Lunteschütz (1822–1893),  © Gemeinfreies Werk

Arthur Schopenhauer um 1855, Foto: Jules Lunteschütz (1822–1893),  © Gemeinfreies Werk

Ferner der Gemütsruhe förderlich ist die Einsicht aus Goethes Gedicht “Ich hab mein Sach’ auf Nichts gestellt” sowie Sokrates’ Weisheit: “Wie vieles gibt es doch, was ich nicht nötig habe."

Da ich nun des Lebens und der Menschen außerhalb eines akademischen Elfenbeinturmes in jedweder Ausprägung und innerhalb vieler sozialer Schichten zu Genüge, ich möchte fast sagen, zum Überdruss ansichtig wurde, darf ich getrost abermals in die Worte Schopenhauers einstimmen und dies, eingedenk der reichen Lehren aus der Vergangenheit, als Leitstern für die kommende Zeit vor Augen halten: 

Arthur Schopenhauer um 1852. Foto: Jacob Seib - Eberhard Mayer-Wegelin, Frühe Photographie in Frankfurt am Main 1839-1870, 1982, Nr. 10. © Gemeinfreies Werk

Arthur Schopenhauer um 1852. Foto: Jacob Seib - Eberhard Mayer-Wegelin, Frühe Photographie in Frankfurt am Main 1839-1870, 1982, Nr. 10. © Gemeinfreies Werk

"Wenn nun aber ein solcher a posteriori, also aus fremder Belehrung und eigener Erfahrung endlich gelernt hat, was von den Menschen im ganzen genommen zu erwarten steht, dass nämlich etwan 5/6 derselben, in moralischer, oder intellektueller Hinsicht, so beschaffen sind, dass, wer nicht durch die Umstände in Verbindung mit ihnen gesetzt ist, besser tut, sie vorweg zu meiden und, so weit es angeht, außer allem Kontakt mit ihnen zu bleiben." - Arthur Schopenhauer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle Zitate: Arthur Schopenhauer, "Parerga und Parelipomena", Zweiter Teilband der "Aphorismen zur Lebensweisheit"

Top 4 English Writers

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Somehow I’ve always been drawn to the outcasts of society. No wonder that my favourite english writers resemble in a way that propensity. So…these are my top four:

Charles Bukowski - Edward Bunker - Daniel Woodrell - Henry Miller

 

...Ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so “Natur” nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.
— Hermann Hesse
Photograph by Gret Widmann (†1931) [Public domain], via Wikimedia Commons Quelle : https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c1/Hermann_Hesse_1927_Photo_Gret_Widmann.jpg

Photograph by Gret Widmann (†1931) [Public domain], via Wikimedia Commons

Quelle : https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c1/Hermann_Hesse_1927_Photo_Gret_Widmann.jpg

Hermann Hesse gehört seit Jahrzehnten zu meinen persönlichen Lieblingsschriftstellern. Am nachhaltigsten beeindruckte mich das Werk "Der Steppenwolf". Mit dem Lebensgefühl der dort portraitierten Figur des "Harry Haller", insbesondere mit dessen Ekel vor der "Krankheit der Zeit", kann ich mich fortgesetzt identifizieren.

Thomas Mann - Gedanken zum Volkstrauertag

Möge kein neuer Wahnsinn die Völker befallen oder ihnen von blinden Egoisten aufgedrängt werden. Möge der Friede - der aller Welt lebensnotwendige Friede - wir können nicht sagen erhalten bleiben, denn noch ist keiner - aber möge er gewonnen und geformt werden.
— Thomas Mann
Bild: Thomas Mann im Hotel Adlon in Berlin 1929 vor der Weiterreise nach Stockholm zur Entgegennahme des Nobelpreises. Quelle: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license. Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0

Bild: Thomas Mann im Hotel Adlon in Berlin 1929 vor der Weiterreise nach Stockholm zur Entgegennahme des Nobelpreises.

Quelle: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.

Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0

Diese Worte sprach der große Schriftsteller am 19. Juni 1947.  Aufgenommen vom Schweizer Radio DRS aus Anlass seiner ersten Europa-Reise nach dem Krieg.

Könnte Thomas Mann nun 62 Jahre nach seinem Tode sehen, wie herrlich weit es der Mensch in seinem Wahn gebracht hat, wie würde sein Kommentar ausfallen ?

So möchte ich heute auch zur Beschäftigung mit seinem Werk anregen und die vorzüglichen Sammlungen seiner Essays und Reden empfehlen.

Stéphane Hessel - Empört Euch !

Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch, einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar.
— Stéphane Hessel

Die größte Freude des Menschen scheint es zu sein, andere für eigene wie auch immer geartete Motive auszunutzen und zu beherrschen. Woher kommt nur diese grenzenlose Lust an Dominanz und Unterdrückung? In nahezu allen Bevölkerungsschichten und Lebensbereichen ist solches zu beobachten.

Beginnen kann dies sogar schon im Familien- und “Freundes”kreis, wenn sich einer über den anderen stellt, wenn Rollen zugewiesen werden und “Macht" ausgeübt wird. Im Arbeitsleben scheint ebenso jedes Mittel zur Erpressung der Angestellten oder Übervorteilung des Konkurrenten für eigene Interessen recht und billig. Im Beziehungsgeflecht zwischen Bürger und Staat, zwischen Staaten und Völkern reicht das Spektrum von Manipulation und Lügen bis hin zur Rechtsbeugung und gnadenloser Gewalt.

Stéphane Hessel (1917-2013)  hat nun am eigenen Leibe erleben müssen, wozu der Mensch fähig ist. Der gebürtige Berliner wurde 1939 französischer Staatsbürger, trat in die Résistance ein und überlebte das KZ Buchenwald. 1948 wirkte er an der “Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte” mit. 

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
— Artikel 1, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Vereinte Nationen

In den nachfolgenden Jahrzehnten setzte er sich u.a. als Diplomat leidenschaftlich für Demokratie und Menschenrechte ein. 2010 verfasste er die Schrift “Empört Euch!” Er beobachtet, wie mühsam erkämpfte Rechte wieder ausgehöhlt werden. So sagte er erst 2011 treffend in einem Spiegel-Interview 

"Die Prinzipien der Ethik lassen sich nicht neu erfinden. Im Kern bleiben sie unverrückbar: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Die Unantastbarkeit der Menschenwürde und der Menschenrechte. Wenn diese Werte unter die Räder kommen, etwa durch die Macht des Geldes, den hemmungslosen Konkurrenzkampf, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Ausbeutung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Unterdrückung des Selbstbestimmungsrechts, die Macht des Stärkeren, dann müssen wir uns heute dagegen stemmen, so wie wir uns seinerzeit gegen die Kräfte der Zerstörung gestemmt haben." - Stéphane Hessel

So stimmen wir seinem Vermächtnis zu: nicht schweigen, wegducken und Unrecht hinnehmen - sondern "Widerstand ist Schöpfung"!