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Begegnung mit Reinhard Feldrapp im Hofgarten Bayreuth

„Der handwerkliche Akt braucht manchmal Jahre der Reife, um letztlich als Kunst anerkannt zu werden. Kunst ist an sich Handwerk. Es reift, und dann wird es zur Kunst.“ Reinhard Feldrapp

Manches mal gibt es auf bestimmten Lebenslinien zufällige Begegnungen mit besonderen Menschen. Das Werk des Fotografen Reinhard Feldrapp hat mich viele Jahre begleitet. Besonders bei „Heimwehanfällen“ nahm ich oft eines seiner Bildbände zur Hand und schwelgte in Erinnerungen an meine Heimat. Dementsprechend groß war meine Freude, als meine Gattin und ich nach dem Besuch des Richard-Wagner Museums in Bayreuth das „Auge des Frankenwaldes“ höchstpersönlich im Hofgarten trafen.

Herr Feldrapp gewährte uns bei dieser Begegnung einen kurzen Blick in sein Denken.

„Über den fotografischen Blick habe ich sicherlich viel von meinem Vater gelernt. Eine „objektive Fotografie“ ist praktisch unmöglich, jeder nimmt die Welt subjektiv und damit aus einem anderen Winkel wahr."

Einen klaren Standpunkt hat er zu Fotografie in den Medien. Im seriösen Bildjournalismus dürfe es keinen Platz für „gestellte“ Fotografien geben, dies käme einem Betrug am Leser gleich. Ein ernstes Anliegen ist ihm auch eine hohe fotografische Qualität in Printmedien, hier solle gehobener Anspruch bedient werden und nicht etwa auf ein reisserisches Niveau sinken.

Welche Eigenschaften sind für einen Fotografen aus seiner Sicht wichtig? „Ein Fotograf sollte viel über das Objekt seines Schaffens wissen“, erklärt er. „So ist beispielsweise ein tiefes Wissenüber Geschichte und die Formensprache der Architektur sehr wichtig für denjenigen, der in diesem Bereich fotografieren möchte."

Der Wandel von der analogen zur Digitalen Fotografie bringt einerseits eine Erleichterung mit sich. „Ich bin in der Dunkelkammer groß geworden.Früher musste hier oft Tagelang mit unangenehmen Dämpfen und Chemie gearbeitet werden, die Digitale Technik hat sicher vieles erleichtert.“ Aber dennoch: " In der Fotografie ist es wie in der Musik oder beim Kochen“, schmunzelt er. Man kann ein klassisches, von vielen erfahrenen Künstlern dargebotenes Werk auch auf einem Keyboard nachspielen. Auch in der Küche kann man statt hochwertiger Zutaten Geschmacksverstärker und Bindemittel einsetzten. Der Unterschied zum Symphonieorchester oder zu einem mit frischen Zutaten fachgerecht bereitetem Mahl ist jedoch in beiden Fällen sofort deutlich spürbar - auch in der digitalen Fotografie ist handwerkliches Können nach wie vor erforderlich."

Demnächst folgt noch ein Interview zu dem Thema „Heimat“ und sein neuestes Werk über Kulmbach.

Bis dahin empfehlen wir die Sendung „Wir in Bayern“ vom  09.11. Siehe Link zur Mediathek. (http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/wir-in-bayern/montag-09112015-lust-auf-heimat-100.html#&time=00-43-33)

Herr Feldrapp war Gast in dieser Sendung und berichtete viel zu seiner Autorenfotografischen Arbeit als „Grenzfotograf“ vor und nach dem Mauerfall.