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Begegnung mit Gert Böhm - Im Gespräch mit einem besonderen Hofer

  Achtsame Begegnungen mit anderen Menschen geben uns die Gelegenheit, zu lernen und zu wachsen. Einen tiefen und bleibenden Eindruck hinterlässt in uns das Gespräch mit Gert Böhm, in welchem er einen Einblick in seine besonderen Lebensstationen gewährte.

Viele Jahre begleitete uns der “Gerch”, die Figur des Hofer Spaziergängers. Diese in der unverwechselbaren Hofer Mundart geschriebenen “Gschichtla” strahlen Heimat und Vertrautheit, ja einfach “Hofer Lebensgefühl” aus und bergen hinter dem vordergründigen Humor so manchen tiefen Gedanken.

Wer ist nun der Verfasser, der Mensch Gert Böhm ?

“Meine Eltern lebten im Sudetenland. 1940 wurde ich in Wildstein im Kreis Eger geboren. Ich kann mich tatsächlich noch an die Zeit der Vertreibung und die Zugfahrt in Viehwagons erinnern. Als vierjähriger kam ich zusammen mit meiner Großmutter in einem Barackenlager in Rosenheim an. Von dort aus wurden die Flüchtlinge auf verschiedene Gemeinden verteilt, uns verschlug es nach Bernau am Chiemsee, dort ging ich 3 Jahre zur Grundschule. In dieser Zeit fand meine Großmutter meine Mutter wieder. Wir wurden auf der Flucht getrennt, sie hatte es nach Hof verschlagen - und so kam ich als Neunjähriger in Hof an. Meinen Vater hatte ich leider nie kennengelernt, er ist im Krieg gefallen.

 

In Hof wohnte ich zuerst in Moschendorf, im damaligen Schulgebäude, der heutigen Synagoge. Später zogen wir nach Hof, wo ich erst am Anspannweg wohnte, dann in der Dr.-Enders-Str.,später im eigenen Haus an der Theodor-Fontane-Straße und zuletzt im Rittergut Sachs. Eine besondere Erinnerung an Kindheit und Jugendzeit in Hof sind die “Erpflfeuer” (Kartoffelfeuer) auf den Feldern. Heute ist dies leider nicht mehr möglich - das Kartoffelkraut wird aufgrund der Belastung durch Pestizide als Sondermüll entsorgt und darf nicht mehr verbrannt werden.

Eine weitere Erinnerung sind die strengen Winter damals. Wir haben als Kinder auf der Saale Eishockey gespielt, man konnte sogar mit den Schlittschuhen von Moschendorf bis nach Oberkotzau fahren.

Ich spielte immer sehr viel Fußball, war zwischendurch auch als Ringer beim ASV Hof aktiv und wurde bei den Junioren Oberfränkischer Meister im Schwergewicht. Meine Mutter war allerdings von diesem Sport wenig begeistert, so dass ich mich wieder ganz auf den Fußball konzentrierte. Als Gymnasiast bekam ich zwei Jahre vor dem Abitur einen Vertrag bei Bayern  Hof, zu dieser Zeit spielte der FC Bayern Hof in der höchsten Klasse- gemeinsam mit so berühmten Clubs wie FC Bayern und 1860 München, dem 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart usw.. Nach dem Abitur spielte ich weiterhin Profi-Fußball bei Tasmania Berlin. Ich durfte in dieser Zeit einige große Spiele bestreiten, z.B. das DFB-Viertelfinale gegen Kaiserslautern auf dem legendären Betzenberg. Auch heute noch, im Alter von 75 Jahren, spiele ich noch zwei Mal pro Woche Fußball. Als ich 21 Jahre alt war, bedeutete jedoch eine Knie-OP bereits das Ende meiner Profikarriere. Damals war Fritz Poppenberger Chefredakteur bei der Frankenpost, als Fan und Förderer des FC Bayern Hof ermöglichte er mir ein Redaktionsvolontariat. Mein beruflicher Weg führte mich weiter über die Fa.Rosenthal zur Hutschreuther AG, dem damals mit fast 6.000 Mitarbeitern größten europäischen Porzellankonzerndort. Dort war ich mit 34 Jahren der jüngste Direktor. Viel später war ich nochmals bei der Frankenpost, dann allerdings als Geschäftsführer,von 1990 – 200. Mit 60 habe ich mich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen und schreibe nur noch."

 

Befragt nach seinen Lieblingsplätzen in Hof nennt Herr Böhm drei besondere Orte: 

 

“Ich trinke sehr gerne Bier, aber dass muss auch was taugen”, schmunzelt er. “Deshalb bin ich im Sommer gerne im Biergarten der Meinels Bas. Sehr gerne gehe ich auch zu unserem wunderbaren Theresienstein. Und als drittes liebe ich die “Grüne Au”, den Bayern Platz.

Heimat bedeutet für mich eine zweifache Art von Wohlbefinden: Ich muss mich innerlich, seelisch, sehr gut fühlen - und dies mit einem äußeren Wohlbefinden verbinden können, also mit den Menschen, mit der Landschaft, mit dem Klima. Und wenn es mir gelingt, diese beiden Zustände – den inneren und den äußeren - in Einklang zu bringen - das ist für mich Heimat."

Wie wurden Sie Autor der beliebten Mundart-Glosse ?

"Der “Hofer Spaziergänger” wurde 1920 von Karl Röder erfunden, dem damaligen Chefredakteur des “Hofer Anzeiger”. Als Karl Röder krankheitsbedingt die Glosse nicht mehr fortsetzen konnte, wurde ich gefragt, ob ich diese Mundart-Geschichten künftig schreiben könne - das war im Jahr 1966. Mittlerweile habe ich „als Gerch“ etwa 2500 Geschichten geschrieben. In einer Zeit, als es weder Internet noch Fax gab, habe ich auf meinen Reisen häufig auf Luftpost-Briefpapier “Gschichtla" mit Bleistift verfasst. So ein Brief, den ich in Indien, auf einer philippinischen Insel oder in Guatemala eingeworfen habe, war damals oft 14 Tage unterwegs. Der “Hofer Spaziergänger” ist nunmehr die älteste Mundart-Glosse an bayerischen Zeitungen. In vier Jahren wird sie 100 Jahre alt und wurde nur von 2 Leuten geschrieben.

Zum 50. Jubiläum gehe ich heuer mit den Hofer Volksmusikanten auf Tour durch die Region – und im September erscheint das Buch “Gleeskebf, Schnerbfl, olda Waafn”, das die schönsten „Gerch-Gschichdla“ aus fünf Jahrzehnten enthält".

Wie sind Sie zu der intensiven Beschäftigung mit dem Thema “Spiritualität” gekommen ?

"Hinter der wunderbaren Schöpfung steht nach meiner Auffassung eine hohe, intelligente Instanz – wir Christen nennen sie Gott, in anderen Religionen und Kulturen gibt es dafür viele Namen. Und mich bewegten die Fragen: Warum gibt es in diesem phantastischen Schöpfungswerk Unvollkommenheiten, also Krankheiten, Leiden, Naturkatastrophen usw.? Solche Fragen wurden für mich so wichtig, dass ich mir einfach Zeit für die intensive Beschäftigung mit diesen Themen nahm.

 

Deshalb hängte ich mit 40 Jahren meinen Direktorenposten bei Hutschenreuther an den Nagel, verdiente mir gutes Geld als freiberuflicher Kommunikationsberater in der Wirtschaft- und hatte genügend Zeit, mich mit den Sinnfragen des Lebens auseinanderzusetzen. Jedes Jahr setzte ich michim Oktober in ein Flugzeug und reiste für drei Monate in die weite Welt, um auch in anderen Kulturen und Religionen Antworten auf meine Sinnfragen zu finden – bei Bergvölkern im Norden Thailands, bei den Geistheilern auf den Philippinen, am Amazonas in Brasilien oder bei Tibetischen Mönchen.

Ein ganz besonderes Erlebnis war die Reise nach Dharamsala. Dort hatte ich Gelegenheit, einige Male persönlich unter vier Augen mit dem Dalai Lama zu sprechen.

Aber ich war als Suchender nicht nur in der weiten Welt unterwegs. Mehrfach bin ich auch im Kloster Metten bei Deggendorf eingekehrt. Dort lernte ich den Benediktinermönch Dr. Johannes Pausch kennen, mit dem ich inzwischen in Autorengemeinschaft mehrere Bücher über die spirituellen Zusammenhänge von Leib und Seele, von Gesundheit und Krankheit verfasst habe“.

Herr Böhm, welchen Rat würden Sie Menschen geben, die Zukunftsängste haben oder inneren Frieden suchen ?

"Ich würde empfehlen, soweit als möglich die eigene Lebenswelt zu wechseln, mich aus dem Lärm und Stress entfernen, mich vorübergehend bewusst absondern. Als zweites sind menschliche Gespräche mit einem wirklich guten Freund oder Vertrauten sehr wichtig. Dann wird man bestimmte Dinge über sich selber erfahren, zu sich finden. Es kann auch sinnvoll sein, ein paar Tage in einem Kloster zu verbringen. Das Kloster sollte man vorher sorgfältig aussuchen und z.B. darauf achten, ob es dort auch die erhofften Gesprächsangebote gibt“.

Herr Böhm, wir bedanken uns sehr herzlich bei Ihnen für das ausführliche Gespräch

++++Empfehlung++++

Gert Böhm und Dr. Johannes Pausch haben in Autorengemeinschaft elf Bücher geschrieben, darunter auch den Klosterführer „Such dir deinen Himmel – Auszeit im Kloster“ - für Menschen, die auf der Suche nach Lebenssinn sind. Auch die anderen Bücher beschäftigen sich mit Themen, die der Seele gut tun – als Wegweiser zu einem gesunden Lebensrhythmus.