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Wagner & Leipzig

Mit wachsender Begeisterung beschäftigen wir uns mit dem Werk Richard Wagners. Es ist uns ein Herzensanliegen, so viele (besonders auch junge) Menschen wie möglich für solche Kulturschätze zu begeistern, vielleicht vermag dies ein Stückweit der zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung entgegenwirken.

So nahmen wir mit Freude Kenntnis von der Aufführung des “Rings” in des Meisters Geburtsstadt . Beides hat uns nachhaltig begeistert und beeindruckt: die erstklassige Operndarbietung und die Schönheit der Kulturstadt Leipzig. 

Wer mit dem Auto anreist, findet zur frühen Vormittagsstunde noch einen schönen Parkplatz in den geräumigen Buchten des Parkhauses “Marktgalerie” an der Thomasgasse 2 und ist sofort mitten im Zentrum. Wir bewundern das Alte Rathaus, in welchem sich auch das Stadtgeschichtliche Museum befindet. Zuerst gehen wir linker Hand die Katharinenstr. entlang zur Tourist-Info und besorgen uns noch etwas Infomaterial. So bestens ausgerüstet beginnen wir unsere Entdeckungsreise an der Thomaskirche. Hier predigte 1539 Martin Luther, J.S. Bach wirkte dort von 1723 - 1750 als Kantor, am 24. Mai 1873 wurde “Wilhelm Richard” (Wagner) in dieser Kirche getauft.Direkt gegenüber befindet sich das Bach-Museum sowie ein schön gestaltetes Denkmal von Felix-Mendelsson Bartholdy.

Nun spazieren wir entlang der Grimmaischen Str., eine pulsierend-lebensfrohe Ader im Herzen der Stadt. Ein Bläserensemble bringt eine Arie aus der Oper Carmen zu Gehör. Schon stehen wir vor einem “Pilgerort" für Goethe-Fans: Auerbachs Keller in der stilvollen Mädler-Passage. 

Gegenüber der geschichtsträchtigen Nikolaikirche statten wir noch dem liebevoll ausgestaltetem Wagner-Museum einen Besuch ab, bevor wir uns erwartungsfroh zum Opernhaus begeben. Seit über 300 Jahren wird Musiktheater in Leipzig gepflegt.

Der “Ring des Nibelungen” behandelt ein erschreckend zeitloses Thema:

Wie entsteht Macht, wie wird sie genutzt ? Soll die Machtausübung darin bestehen, seine eigene Position gegen die Anderen zu befestigen ? (1)  Welchen Wert haben Versprechen und Verträge und hat die Missachtung derselben Auswirkungen ? Führt erfüllende Liebe zum Erlöschen des Machttriebes ?

Dienstag: Rheingold

Chefdramaturg Christian Geltinger hebt in der Einführung die Bedeutung Richard Wagners für Leipzig hervor. Bekanntlich gilt der Prophet im eigenen Lande nichts, so wurde auch Wagners erste Oper “Die Feen” von der damaligen Theaterdirektion abgelehnt. Jedoch erfuhr er in Leipzig wesentliche Prägungen: Schulzeit, Leidenschaft für Musik, musikalisch-handwerkliches Rüstzeug. Häufig nutzte er das reiche Repertoire von Theater und Gewandhaus.

Im “Rheingold” wird nun gleichsam die Grundexposition des gesamten Ringes dargelegt: Die Entscheidung zwischen Liebe und Macht. Das komplette musikalische Thema entwickelt sich zu Beginn der Overtüre aus einem tiefen “Es”, das uns fast an das “Om” erinnert, dem “Urklang” buddhistischer Traditionen. Trefflich ist der Satz aus Cosimas Tagebüchern: “Rheingold ist das Wiegenlied der Welt”. Und so ist die Inszenierung von Rosamund Gilmore höchst gelungen: Natur, Mythos und Musik verbinden sich, Tänzer als mythische Elemente bezaubern den Zuschauer.

Mittwoch: Walküre

“Das Orchester besitzt unleugbar ein Sprachvermögen” schreibt Richard Wagner in “Oper und Drama”. Dies kommt deutlich in diesem Teil des Ringes zum Tragen, erklärt Geltinger. Wenn man diese Oper mit einer Symphonie vergleicht, sei die “Walküre” sozusagen der langsame Satz. Das Thema Liebe entfalte sich besonders in der durch die Musik dargestellten “inneren Handlung”.

Auch hier drücken Tänzer vortrefflich die Janusköpfigkeit und die tragischen Konflikte der Figuren aus. Besonders überwältigend empfanden wir den dritten Akt: Die Walküren treffen sich zur Rückkehr nach Walhall. Bühnenbild, Auftritt und Gesang der Walküren gepaart mit gewaltigen Orchesterklängen lassen uns sprachlos staunen und genießen.

Fazit: Dieses Erlebnis wir noch lange nachwirken. Leipzig & Opernhaus: Wir kommen wieder.

Zititat: (1) Udo Bermbach, Politologe