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Thomas Mann über Richard Wagner

Festspielhaus Bayreuth

Festspielhaus Bayreuth

Unweigerlich ging mir beim Fotografieren jene bekannte, oft zitierte Zeile aus “Rheingold” durch den Sinn: “Prächtig prahlt der prangende Bau…”. Ich wohne nunmehr (wieder) nur etwa 50km von Bayreuth entfernt, oft zieht es mich zum Grünen Hügel oder zur Villa Wahnfried.

Jüngst fiel mir ein Band mit Reden und Essays von Thomas Mann in die Hände. Seine Aufsätze gehören für mich zu dem Schönsten und Erhabensten, was in deutscher Sprache über Richard Wagner geschrieben wurde.

Beispielgebend möchte ich aus seinem Aufsatz “Leiden und Größe Richard Wagners” zitieren: (1) “ Die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben, seit ich seiner zuerst gewahr wurde und es mir zu erobern, es mit Erkenntnis zu durchdringen begann.(…)..Stunden voll von Schauern und Wonnen der Nerven und des Intellektes, von Einblicken in rührende und große Bedeutsamkeiten, wie eben nur diese Kunst sie gewährt.(..) Wagner sah in der Kunst ein heiliges Arkanum, ein Allheilmittel gegen die Schäden der Gesellschaft.” Diese Gesellschaft wollte er durch “(2) das Mittel ästhetischer Weihung von Luxus, Geldherrschaft und Lieblosigkeit befreien.” 

Wie könnte man es besser ausdrücken ? Das Durchdringen und Erobern auch nur eines Werkes erfordert - ganz unzeitgemäß - Zeit und Geduld, setzt einen Kontrapunkt zum schnelllebigen, flüchtigen Reiz. Wer dort in die Tiefe steigt, wird immer wieder auf neue Schätze stoßen, ja muss die Worte,  die Richard Wagner selbst über Shakespeare sagte, nun über ihn ungläubig staunend ausrufen: “Was hat der Mann gesehen ?” Die Heilung der Gesellschaft scheint in unseren Tagen ebenso wieder brandaktuell. Möge sein Werk weiterhin kraftvoll dazu beitragen.

(1) , (2) Quelle Zitat: Aufsatz “ Leiden und Grösse Richard Wagners”, Thomas Mann 1933