Blog

Über Sprache und Worte. Ein Aufsatz von Arthur Schopenhauer.

Schopenhauer-Zitate-Sprache-2.jpg

Bereits etwa in der Mitte des 19.Jahrhunderts schrieb “mein” Philosoph Arthur Schopenhauer einen Aufsatz über “Sprache und Worte”. Hier entwickelte er das Gleichnis, dass das Leben der Sprache dem einer Pflanze gleiche, die aus einem einfachen Keim hervorgegangen sich zur Blüte entwickle, und dann wieder altern und verfallen würde. Ein Bild, dem ich uneingeschränkt zustimmen möchte,  denn Parallel zu Verrohung der Sprache scheint nach meiner Wahrnehmung der Verfall von Umgangsformen und Sitten voranzuschreiten, und zwar auf allen Gesellschaftsebenen.

Das Erlernen von Sprachen sieht der Autor als “tief eingreifendes, geistiges Bildungsmittel”. Schnell wird man entdecken, dass sich bei weitem nicht für jedes Wort das genaue Aequivalent in der anderen Sprache findet, ja dass es sogar Begriffe ohne Entsprechung in der anderen Sprache gibt.

Besonders Gedichte könne man nicht “umdichten”, selbst die allerbeste Übersetzung verhalte sich zum Originale wie die Transposition eines Musikstückes in eine andere Tonart.

So sei das Erlernen der lateinischen Sprache eine vorzügliche Schule des Geistes. Man erwerbe zunächst grundlegendes Verständnis, wie Sprache hinsichtlich ihres Aufbaus in Grammatik und Flexion funktioniert. Beim Übersetzten jedoch müsse man den “wiederzugebenden Gedanken ganz umschmelzen und umgießen, wobei er in seine letzten Bestandteile zerlegt und wieder rekomponiert wird". Neue Sphären von Begriffen müssen im Geiste entstehen, jene erfühlt und in diesen gedacht werden, bevor man ein passendes Wort in der  Muttersprache findet: erst dann habe man "den Geist der zu erlernenden Sprache gefasst und einen großen Schritt zur Kenntnis der sie sprechenden Nation getan.”

Wenn ein Mensch nun stets gangbare Phrasen und abgenutzte Wendungen benutze und selbst diese ungeschickt zusammenstelle, sei dies nicht mehr als bloßes Papageiengeplapper.

Schopenhauer empfiehlt nun auch hier, sich besonders dem Studium alter Sprachen zuzuwenden:

Die Nachbildung des Stiles der alten Sprachen (wie Latein und griechisch) sei nun das allerbeste Mittel, um den "gewandten und vollkommenen Ausdrucke seiner Gedanken in der Muttersprache vorzubereiten." So wie der angehende Maler und Bildhauer seine Fertigkeiten durch Nachahmung der Muster des Altertums heranzubilden sucht ehe er eigenes erschafft, so lerne man “die Diktion als ein Kunstwerk mit größter Sorgfralt und Behutsamkeit zu behandeln." Demnach richte sich eine geschärfte Aufmerksamkeit auf die Bedeutung und den Wert der Worte, man lerne, Respekt zu haben vor der Sprache und die Handhabung des Materiales welches geeignet ist, dem Ausdruck und der Erhaltung wertvoller Gedanken zu dienen.

Dem eingangs erwähnten Beispiel zur Folge kann ich mich in unseren Tagen des Eindruckes nicht erwehren, dass wir uns so langsam wahrhaft auf das Endstadium der deutschen Sprache zubewegen -  von einigen positiven Ausnahmen einmal abgesehen.

Mit einer dahingehenden positiven Zukunftsvision tue ich mir persönlich etwas schwer, und möchte einmal mehr Arthur Schopenhauer das Schlusswort überlassen: 

"Im allgemeinen haben die Weisen aller Zeiten immer dasselbe gesagt, und die Toren, d.h. die unermessliche Majorität aller Zeiten, haben immer dasselbe, nämlich das Gegenteil, getan: und so wird es denn auch ferner bleiben."

Quelle: Arthur Schopenhauer, Aufsatz “Über Sprache und Worte” aus “Parerga und Parelipomena"