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Tannhäuser's Pilgerchor

Der Schreibtisch eines Wagnerianers

Der Schreibtisch eines Wagnerianers

"Beglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen,

und grüssen froh deine lieblichen Auen!”

Mit diesem bekannten “Pilgerchor” aus der Oper Tannhäuser hat Richard Wagner den Gefühlszustand eines Heimkehrenden eindrucksvoll getroffen.

Selbsterlebtes wirkt oft am tiefsten. In seiner Schrift “Mein Leben” erhalten wir einen Einblick in seinen Seelenzustand zum Zeitpunkt der Komposition: Paris, 1842. Wagner leidet dort unter den ärmlichen Verhältnissen, seine Sehnsucht nach dem heimatlichen Deutschland wächst. Intensiv studiert er Sagen, die Schriften der Gebr. Grimm, Hoffmannsche Erzählungen; namentlich der “Sängerkrieg auf der Wartburg” inspiriert ihn.

Nun ist es soweit, mit seiner Gattin besteigt Wagner die Postkutsche heimwärts. Man stelle sich die Mühsal vor: eine Reise von Paris nach Dresden dauerte damals noch 5 Tage, unter Sturm, Schnee und Regen. Beim "Anblick der Wartburg in einer sonnenhellen Stunde” verfestigt sich im Kopf die Szene zum 3. Akt des Tannhäuser. In Dresden angekommen unternahm er mehrtägige Fußwanderungen in das böhmische Gebirge, bestieg die Ruine der Burg Schreckenstein bei Aussig. Dort erlebte Mondnächte und Natureindrücke flossen schließlich in das Kunstwerk mit ein.

Ja, wer lange von seiner Heimat getrennt war, wird früher ebenso wie heute von bestimmten Gefühlen bewegt. Viele, die ihrer Heimat fern sind oder diese gar verloren haben, werden dies besonders nachempfinden können, sei diese Trennung nun  durch Änderung der Lebensplanung wie z.B durch einen Umzug geschehen, oder gar im schlimmsten Fall durch Kriege und Kriegsgeschrei erzwungen. Letzteres scheint nun bis in unsere Tage hinein ein fester, tragischer Bestandteil der Menschheitsgeschichte zu sein. Möge die Kunst, wie es sich Wagner wünschte, zum Heilmittel der Gesellschaft gereichen.