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Lebensqualität, Eitelkeit, Stolz: Betrachtungen mit Arthur Schopenhauer

Viel Mühe kostet es dem Menschen unserer Tage, Schopenhauers Werke wie “Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde” oder sein Hauptwerk “Die Welt als Wille und Vorstellung” in der Tiefe zu erfassen.

Zum Einstieg möchte ich das von Lebensweisheit übervolle Buch “Parerga und Paralipomena” empfehlen. 

Besonders bewegte mich aus der vorgenannten Schrift das Kapitel “Von dem, was einer vorstellt” in den “Aphorismen zur Lebensweisheit", enthält es doch grundlegende Erfahrungen, so wie ich sie am eigenen Leibe immer wieder erlebte.

Es ist grundsätzlich eine Schwäche der menschlichen Natur, dass unser Dasein in der Meinung anderer viel zu hoch angeschlagen wird, erklärt Schopenhauer. Also das, was wir im Bewusstein anderer sind, und mit welchen Begriffen wir dort bezeichnet werden, positiv wie negativ, ist für unser Glück unwesentlich. Ja, die simple Einsicht, dass jeder zunächst in seiner eigenen Haut und nicht aber in der Meinung Anderer lebt, "wird bei Zeiten zu unserem Glücke beitragen." 

Bei der ernsthaften Beachtung dessen, was es Anderen beliebt in ihrer Vorstellung aus uns zu machen, würde nicht nur unsere Gemütsruhe sondern auch unsere Unabhängigkeit beschädigt, ja man bliebe “Sklave fremder Meinung und fremden Bedünkens”.

Schopenhauer beobachtet scharf, “mit welcher Geringschätzung von Jedem geredet wird, sobald man ihn nicht zu fürchten hat, oder glaubt, es komme ihm nicht zu Ohren." Insbesondere werden wir gleichgültig dagegen werden, was in einem anderen Bewusstsein vorgeht, “nachdem wir einmal angehört haben, wie vom größten Manne ein halbes Dutzend Schaafsköpfe mit Wegwerfung spricht.” So würde sich fast jeder krank ärgern, "wenn er vernähme, was alles von ihm gesagt und in welchem Tone von ihm geredet wird." Um jene allgemeine Torheit los zu werden, wäre das alleinige Mittel, sie deutlich als eine solche zu erkennen: die Folge dieser Erkenntnis wird “ein unglaublich großer Zuwachs an Gemütsruhe und Heiterkeit (…) sein.”

Im Folgenden trifft Schopenhauer eine wichtige Unterscheidung zwischen Eitelkeit und Stolz, welcher ich ebenfalls vollumfänglich, aus tiefstem Herzen, zustimme.

Die Eitelkeit zielt auf die Anerkennung von aussen, “buhlt um den Beifall anderer" - und ist ja demnach wieder Sklave fremden Bewusstseins. Der Stolz hingegen fußt auf der "festen unerschütterlichen Überzeugung vom eigenen Werte.”  Schopenhauer vermutet, dass der Stolz nur von denen getadelt wird, die nichts haben, worauf sie stolz sein können. "Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam”.

Wessen Stolz nun auf eigene reale Leistungen und Vorzüge gründet, dem empfiehlt er diesen gegenüber “der Unverschämtheit und Dummdreistigkeit der meisten Menschen” abzugrenzen. Wer derlei Unverschämte gutmütig ignoriert, wird sofort treuherzig als einer ihres Gleichen gehalten und oft genug "das sus Minervam exemplifiziert sehen.” (“Die Sau belehrt die Minerva”, heißt es bei Cicero, wenn einer den anderen das lehrt, dessen er selbst unkundig ist.) Noch deutlicher wird dies in dem Arabischen Sprichwort: “Scherze mit dem Sklaven; bald wird er dir den Hintern zeigen.”

So möchte ich mit den Worten Horaz schließen: “Sume superbiam, quaesitam meritis” - “Eigne den Stolz dir an, den durch Verdienst du erwarbst."

(Quelle: Parerga und Parelipomena, Aphorismen zur Lebensweisheit von Arthur Schopenhauer.)