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Max Stirner

“Ich hab' mein Sach' auf nichts gestellt”.

Max Stirner - Der vergessene Philosoph aus Bayreuth

Eine schöne Gedenktafel im Herzen von Bayreuth erinnert an den am 25.Oktober 1806 in der Maximilianstr. 31 geborenen Philosophen.

Bekanntermaßen gilt ja der Prophet im eigenen Lande nichts. Im Fall Stirner drängt sich zudem der Verdacht auf, dass der unbequeme Denker nicht so recht  zum Publikumsmagneten tauge.... Seine Philosophie richtet sich gegen Verlogenheit, Machtmissbrauch und jedwede Knebelung des Individuums. Sie ist damit von bestürzender Aktualität.

Die Einleitung zu Max Stirners Hauptwerk “Der Einzige und sein Eigentum” beginnt provokant: “Was soll denn nicht alles meine Sache sein! Vor allem die gute Sache, dann die Sache Gottes, die Sache der Menschheit, der Warheit, (..) ferner die Sache meines Volkes, meines Vaterlandes…nur meine Sache soll niemals meine Sache sein.” Stirner rät dazu hinzusehen, wie  “genau diejenigen es mit ihrer Sache machen, für deren Sache wir arbeiten und uns begeistern sollen….”
Sie schließt mit dem bekannten Zitat “Mir geht nichts über mich.”

Dies darf nun keineswegs als Aufruf zum schrankenlosen Egoismus missverstanden werden. Eher als Warnung vor der Manipulation durch Institutionen, seien es Staaten, Firmen, Parteien Religionen etc, die ihre Machtinteressen auf Kosten anderer durchsetzen wollen. Wenn z.B. letztere die Erwartung eines Lohnes im Jenseits im Bewusstsein der Diener einer solchen Struktur verankern, ist einem blinden Fanatismus Tür und Tor geöffnet. Der Mensch wird zum lenkbaren Werkzeug im Interesse anderer. Goethe drückte dies schon treffend im Faust aus: “Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben."

Ein weiteres Beispiel wiederholt sich endlos auf grausame Weise: Wenn nun ein Staat im Kopf seiner Bürger ein Wertesystem installiert, nach dem für Volk und Vaterland wie selbstverständlich das eigene Leben zu opfern sei, hat er ebenso willfährige Werkzeuge für seine Machtinteressen. Arthur Schopenhauer bringt dies auf den Punkt:  "…ein Erzteufel, in der Gestalt eines Eroberers auftretend, stellt einige hunderttausend Menschen gegenüber und ruft ihnen zu: Leiden und Sterben ist euere Bestimmung; jetzt schießt mit Kanonen und Flinten aufeinander los! - und sie tun es."

So verwundert es nicht, dass dieses Buch bei seiner Erscheinung im Jahr 1844  mancherorts verboten wurde. Damals gab es wohl Obrigkeiten, die dies gar nicht gerne hörten…….

Ich hoffe, wieder ein wenig Interesse für das Werk Max Stirners geweckt zu haben. Verdient hätte er es.