Nicht nur zur Weihnachtszeit - Botschaften und Wahrheit.

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Nicht nur zur Weihnachtszeit vernehmen wir Botschaften. Wir sind geradezu einem „Dauerrauschen”, ja einem Sturm von Nachrichten und Informationen ausgesetzt. Oft werden solche Botschaften neben ihrem rein sachlichen Inhalt vom Interesse des Nachrichtenübermittlers durchsetzt sein. So auch, wenn wir um Auskunft oder Rat bitten  - „dem anderen wird oft gar nichts anderes einfallen, als was wir seinen Zwecken gemäß zu tun hätten“. (vgl.E/II.: 204) - Was ist nun also wahr?

Die beste Erklärung hierzu gibt Schopenhauer in seiner Berliner Vorlesung: Ein Wissen, was wir also als Wahrheit bezeichnen wollen, „verlangt Urteile die völlig zureichende Gründe haben“, ferner „deutliche und mitteilbare Erkenntniß der Gründe“. Ist zu einem Urteil kein Grund vorhanden; so bleibt es zwar ein Urteil, ein denkbares: aber es hat keine Wahrheit: es steht in keiner Beziehung zu etwas außer ihm: kann daher von keinem Nutzen sein und hat keinen Wert. Es ist keine Erkenntniß, wiewohl ein Denken, aber ein leeres, gehaltloses Denken.

Wird ein Grund dazu bloß vermutet; so ist es ein Meinen; wird er ohne gegeben zu seyn, doch als vorhanden angenommen, etwa auf fremde Autorität; so ist es ein Glauben. Dies ist nur subjektiv gültig. Nur wenn ein Grund gegeben ist, ist es ein Wissen.“ (VGP/1: 263-264)

Hiermit haben wir schon ein kraftvolles Werkzeug zum selber Denken in der Hand. Wir können selbst entscheiden, in wie weit wir den Aussagen von fremden Autoritäten glauben schenken wollen, die ihre Urteile damit begründen, dass es „geschrieben stehe“ oder dass sie „eine Vision gehabt hätten“ oder gar „exklusiv eine Offenbarung zur Rettung der Menschheit empfangen haben“. Die selbe Vorsicht gilt natürlich im Bereich der Politik und Massenmedien.


Schopenhauer führt treffend aus:


„Ist man  sich aber der Gründe gar nicht deutlich bewußt und kann sie nicht angeben, sondern hat sie größtenteils bloß als Gefühl, findet jedoch dieses Bewußtsein der Gründe zureichend; so ist dies  G l a u b e n . Beim Wissen sind die Gründe deutlich, folglich mittheilbar, folglich objektiv, d.h. als Objekt für jedermann vorhanden. Beim  G l a u b e n  sind sie als b l o ß  g e f ü h l t  nicht mitteilbar, folglich bloß subjektiv, für das Subjekt des Individuums da; für dieses mögen sie stark sein, für andere gelten sie nicht.“ (VGP/1: 498)

Mehr zu Erkenntnistheorie, Philosophie und dem Leben Arthur Schopenhauers in unserem Buch:

In diesem Sinne - wir wünschen eine schöne Weihnachtszeit.

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Quelle der Originalzitate:

Schopenhauer, Arthur: Zürcher Ausgabe, Werke in Zehn Bänden. Text nach der historisch-kritischen Ausgabe von Arthur Hübscher (3. Auflage, Brockhaus, Wiesbaden 1972) Editorische Materialien besorgt von Angelika Hübscher, Redaktion von Claudia Schmölders, Fritz Senn und Gerd Haffmanns, Diogenes, Zürich 1977.

Arthur Schopenhauers sämtliche Werke, Neunter Band , Philosophische Vorlesungen. Hg. von Dr. Paul Deussen, zum ersten Mal vollständig herausgegeben von Franz Mockrauer, R.Piper & Co., Verlag: München 1913

Siglenverzeichnis:

E/II: Ueber das Fundament der Moral

VGP/1 : Vorlesung über die gesamte Philosophie, neunter Band



Andreas Ulonska