Oberfranken

Bayreuth

 

"Du liebes Bayreuth, auf einem so schön gearbeiteten, so grün angestrichenen Präsentierteller von Gegend einem dargeboten - man sollte sich einbohren in dich, um nimmer heraus zu können." - Jean Paul , September 1793

 

Ein Stadtbummel durch das sonnige Bayreuth ist ein Genuss. Besonders empfehlen wir einen Museumstag: Wer zur Abrundung noch Essen oder Shoppen möchte, parkt am besten im Rotmain-Center. Von dort spaziert man einfach geradeaus durch die Innenstadt und findet sodann kurz nach der Fußgängerzone rechter Hand das Haus Wahnfried in der Richard-Wagner Straße. Direkt daneben befindet sich das Jean Paul und Franz-Liszt Museum. Für den Besuch aller 3 Museen gibt es ein Kombi-Ticket.

Richard Wagner in Bayreuth

Festspielhaus 1

Jüngst fiel mir ein Band mit Reden und Essays von Thomas Mann in die Hände. Seine Aufsätze gehören für mich zu dem Schönsten und Erhabensten, was in deutscher Sprache über Richard Wagner geschrieben wurde.

Beispielgebend möchte ich aus seinem Aufsatz “Leiden und Größe Richard Wagners” zitieren: (1) “ Die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben, seit ich seiner zuerst gewahr wurde und es mir zu erobern, es mit Erkenntnis zu durchdringen begann.(…)..Stunden voll von Schauern und Wonnen der Nerven und des Intellektes, von Einblicken in rührende und große Bedeutsamkeiten, wie eben nur diese Kunst sie gewährt.(..) Wagner sah in der Kunst ein heiliges Arkanum, ein Allheilmittel gegen die Schäden der Gesellschaft.” Diese Gesellschaft wollte er durch “(2) das Mittel ästhetischer Weihung von Luxus, Geldherrschaft und Lieblosigkeit befreien.” 

Wie könnte man es besser ausdrücken ? Das Durchdringen und Erobern auch nur eines Werkes erfordert - ganz unzeitgemäß - Zeit und Geduld, setzt einen Kontrapunkt zum schnelllebigen, flüchtigen Reiz. Wer dort in die Tiefe steigt, wird immer wieder auf neue Schätze stoßen, ja muss die Worte,  die Richard Wagner selbst über Shakespeare sagte, nun über ihn ungläubig staunend ausrufen: “Was hat der Mann gesehen ?” Die Heilung der Gesellschaft scheint in unseren Tagen ebenso wieder brandaktuell. Möge sein Werk weiterhin kraftvoll dazu beitragen.

(1) , (2) Quelle Zitat: Aufsatz “ Leiden und Grösse Richard Wagners”, Thomas Mann 1933

 

 

Richard Wagner Museum - Haus Wahnfried

Für eine ausführliche Besichtigung sollte man sich mindestens 3 Stunden Zeit nehmen. Im großen Saal des Hauses Wahnfried blicken Wagner, Cosima und Schopenhauer gnädig aus den Lehnbach-Gemälden auf den Besucher herab, der fasziniert vor der über 2.500 Bände umfassenden Bibliothek steht. Besonders beeindrucken an dem 1976 eröffneten Museum die neu gestalteten multimedialen Präsentationen. Man kann ein virtuelles Orchester zum klingen bringen oder Wagners Musik in der Kinogeschichte erleben, wie z.B. den "Ritt der Walküren" in dem Film „Apocalypse Now“.

 

 

Das Festspielhaus am Grünen Hügel

Festspielhaus 2

1876 wurde der “Bayreuther Geist” geboren, der die Festspiele seither durchdringt. 

Der Schriftsteller und Opernkritiker Joseph Wechsberg schrieb 1956: 

“Dann war nur Stille - und aus der Stille und der Dunkelheit kam ein getragenes Es-dur, so tief, dass ich nicht genau unterscheiden konnte , wann die Stille endete und der Klang begann. Genausowenig konnte ich sicher sein woher der Klang kam. Er hätte vielleicht von den Seiten des zuschauerraumes kommen können, oder von hinten oder von der Decke. Langsam begann das unsichtbare Orchester melodische Passagen zu spielen, zunächst kaum hörbar und allmählich anschwellend, bis der Zuschauerraum mit Musik gefüllt war, die Musik der Wasser des Rheins. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen."

 

 

Hofgarten und Eremitage

„Eine schöne Bibliothek, schöne Gemälde und schöne Musik sind meine drei Liebhabereien." (Markgräfin Wilhelmine)